Veränderung der Bildung am globalen Markt

In seinem Artikel ‚ Die auffällig verdächtige Begeisterung für MOOC & Co: Universitäre Lehre zwischen Austerität und Marktinteressen‘ beschäftigt sich Gero Fischer mitunter damit, was es für akademische Bildung bedeutet, zunehmen mit Globalisierung und Marktinteressen konfrontiert zu sein.

Denkbar ist, dass durch die Abhaltung von MOOCs und Onlinekursen den Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen eine Möglichkeit geboten wird, um ihre Inhalte an mehr Studierende ort- und zeitunabhängig zu vermitteln. Dies kann sich, bei qualitativ hochwertigen Kursen, positiv auf die Reputation der Bildungseinrichtung auswirken und beispielsweise internationale Studierende auf diese aufmerksam machen, wie Parr, CEO der Plattform FutureLearn, feststellt (vgl. Parr 2015: o.S.). Denkbar ist, dass dies zu einer internationaleren Ausrichtung der Lehrangebote führt und beispielsweise, um anderssprachigen Studierenden die Partizipation zu ermöglichen, Kurse vermehrt auf Englisch abgehalten werden. Wird jedoch ausschließlich auf Onlinekurse umgestellt, muss kritisch hinterfragt werden, ob dies der Qualität des Bildungsangebots schadet. Als Qualitätskriterium sieht Fischer den Dialog zwischen Studierenden und Lehrenden, das Begleiten der Lernenden sowie individuelle Betreuung an. Wenn mehr Studierende durch die gleiche Anzahl an Lehrenden betreut werden, muss mit einer Verschiebung der Betreuungsverhältnisse gerechnet werden, was sich womöglich nicht positiv auf die Studienqualität auswirken wird (Fischer 2015: 1). Ebenso ist zu hinterfragen, ob der Konkurrenzkampf zwischen Universitäten durch das Werben um Studierende am globalen Markt weiter angeheizt wird. Es ist denkbar, dass sich gewisse Bildungseinrichtungen durch aufwendig und professionell produzierte MOOCs von Konkurrenten abheben wollen, was Zeit und Budget in Anspruch nimmt. Vielfach können sich das nur Spitzenunis leisten, die über das nötige Kapital verfügen. Eine mögliche Folge hiervon könnte die zunehmende Verdrängung von kleineren Universitäten oder wenig Infotainment-tauglichen Studienangeboten sein (vgl. Fischer 2015: 5;12). Denkbar ist ebenso, dass jene Bildungseinrichtungen, welche die nötigen finanziellen Mittel nicht aufbringen können, verstärkt auf Fremdfinanzierung und Werbung angewiesen sein werden (vgl. Fischer 2015: 8). Fischer befürchtet ebenso, dass womöglich mit einem Zweiklassen-Studium zu rechnen sei: „Ein teures, zu bezahlendes Studium mit realen exzellenten Betreuungsbedingungen für eine verschwindende Minderheit und ein vorwiegend virtuelles Billigstudium für die große Mehrheit“ (Fischer 2015: 12).

Werden Kurse und Studien standardisiert und ECTS-Anrechnungen verschiedenster Universitäten möglich, ist zu befürchten, dass Inhalte aufgrund des erhöhten Konkurrenzdrucks verstärkt unter Gesichtspunkten der effektvollen Show und des Infotainments konzipiert werden. Auch hierbei ist zu hinterfragen, ob diese kommerzialisierte Ausrichtung die inhaltliche Qualität des Lehrangebots mindert. (vgl. Fischer 2015: 12).

Doch nicht nur durch MOOCs kann Bildung internationaler und globaler ausgerichtet werden. Denkbar ist auch das Anbieten von Kooperationsstudiengängen, wie der Kommunikationswissenschaft-Master-Studiengang „Master in Digital Communication Leadership“ der Universität Salzburg. In diesem kostenpflichtigen Masterprogramm verbringen die Studierenden ihre Studienzeit sowohl in Salzburg als auch in Kopenhagen bzw. Brüssel (vgl. DC Lead 2017.: o.S.). Denkbar ist, dass auch derartige Studiengänge zunehmen und bereits während der Präsenzzeit in einem Land über Online-Kommunikation der virtuelle Austausch mit Partnerinstitutionen oder Partneruniversitäten gefördert wird.

 

Quellen:

Fischer, Gero (2015): Die auffällig verdächtige Begeisterung für MOOC & Co: Universitäre Lehre zwischen Austerität und Marktinteressen. Online unter: https://slawistik.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/inst_slawistik/Fachdidaktik/Die_auff%C3%A4llig_verd%C3%A4chtige_Begeisterung_f%C3%BCr_MOOC_u.pdf (12.06.2017).

Parr, Chris (2015): Moocs could be ‘major recruitment tool’, says FutureLearn’s Simon Nelson. Online unter: https://www.timeshighereducation.com/news/moocs-could-be-major-recruitment-tool-says-futurelearns-simon-nelson/2018969.article#survey-answer (13.06.2017).

DC Lead (2017): Programme. Online unter: http://dclead.eu/programme/dc-lead/ (12.06.2017).

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