MOOCs, PR und Unternehmen

MOOCs, PR und Unternehmen

In diesem Beitrag soll erläutert werden, wie MOOCs von Universitäten als Mittel zur PR-Arbeit instrumentalisiert werden können und welche Kommunikationsziele die Hochschulen mit dem Angebot von Online-Kursen verfolgen. Zu diesem Zweck wurden einige Fallbeispiele herausgegriffen. Dabei handelt es sich um Universitäten und bildungsbezogene Plattformen, die MOOCs für Lernende zur Verfügung stellen. Im zweiten Abschnitt wird behandelt, inwieweit sich die Bereitstellung von MOOCs auch für Unternehmen bezahlt macht, welche nicht dem Bildungssektor zuzurechnen sind. Auch hierbei wird umrissen, welche Vorteile, Ziele und Potentiale sich für nicht bildungsbeauftragte Betriebe ergeben. Ziel ist es hierzu einerseits Fallbeispiele anzuführen und andererseits Quellen vorzustellen, welche sich mit dem Thema „Unternehmen und MOOCs“ beschäftigen.

MOOCs als Hochschul-PR?

Die größten Motivationsfaktoren, die Hochschulen zur Abhaltung eines MOOCs bewegen, können laut bizmooc.eu (o.J.: o.S.) in sechs Punkten zusammengefasst werden:

(1) Finanzielle Vorteile. Einerseits können durch MOOCs Kosten gesenkt werden – da derselbe Kurs für mehr Studierende angeboten werden kann, andererseits kann z.B. durch den Verkauf von Zertifikaten eine zusätzliche Einnahmequelle geschaffen werden.
(2) Imageverbesserung. Durch einen MOOC kann das Image, die Reputation und Visibilität der Bildungsinstitution erhöht werden.
(3) Innovation. MOOCs können der Bildungseinrichtung zudem als Input dienen, um Innovation und Kreativität zu fördern und durch die Ideen der Teilnehmenden neue Gedanken zu entwickeln.
(4) Wissensvermittlung. Mit dem Angebot von Online-Kursen kommen die Bildungseinrichtungen ihrem Kernauftrag der Wissensvermittlung nach und können den Lernenden verschiedener sozialer Gruppen qualitativ hochwertige Inhalte zur Verfügung stellen.
(5) Ergänzung zu traditionellen Kursen. MOOCs können zudem als follow-up Ressource für traditionelle Kurse verwendet werden
(6) MOOCs ermöglichen eine Spezialisierung im Bildungsprozess.

Besonderes Augenmerk wird, wie zu Beginn angeführt, auf der Möglichkeit der Image-, Visibilitäts- und Reputationssteigerung liegen. Damit, dass MOOCs den digitalen Fußabdruck und die Sichtbarkeit von Universitäten erhöhen können, wirbt mitunter auch Simon Nelson, Geschäftsführer der Plattform FutureLearn in einem Interview 2015. (vgl. Parr 2015: o.S.)., Laut Aussagen des CEO können Online-Kurse als Recruituing Tool verwendet werden, um vor allem internationale Studierende zu erreichen.

Wie wird nun von Hochschulen versucht, MOOCs konkret als PR Werkzeug einzusetzen und welche der oben genannten Motivationsfaktoren werden kommuniziert? Dies soll anhand des Beispiels iMooX der Universität Graz und der TU Graz und des Beispiels mooc.house und openHPI der HPI in Potsdam erläutert werden.

Bei iMooX, handelt es sich laut den Plattformbetreibenden um Österreichs erste und einzige MOOC-Plattform. Diese wird von der Karl-Franzens-Universität Graz und der TU Graz betrieben und distanziert sich von US-amerikanischen Mitbewerbern dadurch, dass die Inhalte nicht nur kostenlos sondern auch unter der Creative-Commons-Lizenz zur Verfügung gestellt werden und somit frei weiter- und wiederverwendet werden können (vgl. iMooX: o.J.: o.S.). Den Betreibenden zufolge ist es das Ziel „universitäre und allgemeine Inhalte einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen und möglichst vielen die Möglichkeit zu geben, sich weiterzubilden“ (iMooX: o.J.: o.S.).Somit wird bei iMooX der Motivationsfaktor (4) Wissensvermittlung hervorgehoben.

Mit mooc.house bietet auch das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH (HPI) (vgl. mooc house o.J.: o.S.) eine Plattform für Online-Kurse im Technologiebereich an. Auf dieser können Drittunternehmen und öffentliche Institutionen Kurse anbieten. Die Bereitstellung der Plattform kann insofern auch als Kommunikations-Strategie angesehen werden, da jeder auf mooc.house abgehaltene Kurs mit der Institution in Verbindung steht. Dies kann sich positiv auf die Reputation der Bildungseinrichtung auswirken. Einerseits kann es dazu beitragen, dass mehr Kursproduzenten mooc.house im deutschsprachigen Raum als geeignete Plattform ansehen, um dort technologiebezogene Kurse anzubieten. Andererseits werden neben den Kursproduzenten auch Kursteilnehmende angesprochen. Stehen auf der Website aktuelle, interessante, gut aufbereitete und strukturierte Kurse zur Verfügung, könnte mooc.house in technologieaffinen Kreisen im besten Fall eine Vormachtsstellung entwickeln.

Neben mooc.house wurde auch die Plattform ‚open HPI‘ ins Leben gerufen, auf welcher das HPI selbst Kurse anbietet (vgl. Open HPI o.J.: o.S.). Unter der Rubrik ‚Neuigkeiten‘ werden Lernende auch konkret aufgefordert, Feedback zu Kursen zu geben oder sich via E-Mail an das Institut zu wenden, wenn sie in Form von Testimonials ihre persönlichen Eindrücke zu einem MOOC schildern möchten (vgl. Open HPI 2017: o.S.). Die Publikation des Statements erfolgt im News-Bereich der Website unter der Headline ‚Das sagen unsere Lerner‘. Die Veröffentlichung von Eindrücken der Lernenden wird also zu Werbezwecken genutzt. Ebenso wurde im Jänner 2017 mit Weiterempfehlungs-Boni geworben. Lernende, welche es schafften, drei oder mehr Interessenten anzuwerben, nahmen an einer Verlosung für Zertifikats-Ausstellungen im Wert von 60 Euro teil (vgl. Open HPI 2017: o.S.). Des weiteren versucht das HPI durch die Erstellung von Facebook Events zu den jeweiligen Kursen auf das Angebot aufmerksam zu machen (vgl. Open HPI 2017: o.S.).

OPEN HPI News mit Testimonial-Aufforderung an Lernende.  Quelle: https://open.hpi.de/news Screenshot der Autorin.

MOOCs für Unternehmen – Potentiale für Anbieter außerhalb des Bildungssektors

Eine Website, die sich mit dem Potential von MOOCs für Unternehmen beschäftigt, ist bizmooc.eu. Dabei handelt es sich um ein im Zuge des erasmus+ Programms gefördertes Projekt, in welchem ein Konsortium MOOC- Standards, Best Practice Beispiele und Guidelines entwirft, sammelt und strukturiert aufbereitet – mitunter in Form eines „MOOC BOOK“ (vgl. bizmooc o.J.: o.S.). Auf der Website wird erläutert, dass nicht nur selbst produzierte MOOCs Vorteile für Unternehmen bringen, sondern auch jene von Drittanbieter-Plattformen. Fremdorganisierte Onlinekurse können laut von Betrieben genutzt werden, um MitarbeiterInnen zu schulen und um MOOCs dauerhaft in das bestehende Fort- und Weiterbildungsprogramm der Firma zu integrieren.

Die Vorteile, als Unternehmen einen MOOC selbst zu produzieren oder finanziell zu unterstützen, werden ebenso aufgezählt. Selbst produzierte MOOCs eignen sich demnach

(1) um neue Talente und potentielle Angestellte unter den Teilnehmenden zu finden,
(2) um Selbstlern-Methoden unter den Angestellten zu etablieren,
(3) um Lernen zu etablieren, welches vom Unternehmen veranlasst wird und auf das Unternehmen bezogen ist,
(4) um mehrere Bezugsgruppen übergreifend (Kunden, Angestellten, Partnern) Wissen zu vermitteln,
(5) zur Verbesserung des Brandings und Marketings durch die gesteigerte Produktvisibilität,
(6) und um Kollaboration zu fördern. (vgl. bizmooc o.J.: o.S.).

Besonders spannend hierbei ist die in Punkt 5 erwähnte, gesteigerte Produktvisibilität, da sich diese in mehrfacher Hinsicht ergibt. Durch das Anbieten von MOOCs auf etablierten MOOC-Plattformen wie Coursera kann beispielsweise eine existierende, meist überdurchschnittlich gebildete und internationale User Base adressiert werden. Es ist anzunehmen, dass dadurch bisher nicht erreichte UserInnen auf das Unternehmen aufmerksam werden. Zudem ist zu vermuten, dass Kursteilnehmende als Informationsverteiler agieren und die Kursinhalte – z.B. durch das Teilen auf Social Networks – weiterverbreiten. Auch im persönlichen, sozialen Umfeld wird vermutlich über das Gelernte und über das kursanbietende Unternehmen gesprochen. Der Vorteil hierbei liegt darin, dass Informationen zum Unternehmen nicht in Form von klassischer Werbung sondern über ‚Influencer‘ oder ‚Opinion Leader‘ an neue Bezugsgruppen oder Interessierte herangetragen werden kann. Einige MOOC Anbieter ermutigen Ihre Teilnehmenden dazu, den Start oder den positiven Abschlusses des Kurses öffentlich auf Sozialen Netzwerken unter Verwendung gewisser Hashtags mit anderen zu teilen. Auch dadurch kann die Visibilität des Kurses erhöht werden.

Die Vorteile, MOOCs auf der eigenen Unternehmensplattform anzubieten, bestehen darin, individuelle Features und Branding bestimmen zu können und in der Kontrolle der gesammelten User-Daten zu sein. Wie auch bizmooc.eu (o.J.: o.S.) hinweist sind in der Datensammlung und Datenverwertung jedoch geltende Datenschutz-Richtlinien zu beachten. In der Datenauswertung besteht für Firmen jedoch eine interessante Möglichkeit, mehr über die Demografie, Nutzungspräferenzen und Themeninteressen der MOOC-Teilnehmenden herauszufinden. Im besten Fall könnten diese Erkenntnisse oder auch die im MOOC erhaltene User-Inputs zur Weiterentwicklung der Unternehmensprodukte beitragen.

Für bestimmte Unternehmen – hierzu könnten Softwarehersteller wie Adobe angeführt werden – kann sich die Abhaltung von MOOCs zudem eignen, um eine bereits bestehende Vormachtsstellung zu halten. Da spezialisierte Software wie Photoshop oder Indesign in der Regel ein gewisses Maß an Lernprozess voraussetzen, kann angenommen werden, dass UserInnen einen solchen durchlaufen und Zeit dafür aufwenden. Das Erlernen einer neuen Software, das ein Umstieg auf Konkurrenzangebote mitbringen würde, erscheint vielen womöglich als zu mühsam. Die Tatsache, dass ein Unternehmen Online-Lernunterstützung zur Verfügung stellt kann daher womöglich eine Grundlage sein, sich für die Benutzung einer gewissen Software zu entscheiden. Hierzu werden von Adobe Ressourcen in Form von Video- und Texttutorials angeboten. (vgl. Adobe 2017: o.S.)

Adobe Illustrator Tutorials. Quelle: https://helpx.adobe.com/illustrator/tutorials.html Screenshot der Autorin.

Das Anbieten von MOOCs könnte sich für Unternehmen auch als Corporate-Social Responsibility (CSR) Maßnahme eignen. Einerseits wird durch das Angebot ein gesellschaftlich relevanter Beitrag zur Fortbildung der Bevölkerung geleistet. Bereits die öffentliche, frei zugängliche Bereitstellung von Fortbildungsmaterialien kann als wahrgenommene Sozialverantwortung gegenüber der Gesellschaf angesehen werden.

Andererseits könnten Unternehmen in der inhaltlichen Ausrichtung des MOOCs nachhaltige Themenfelder erschließen und bei der Konzeption des Kurses auf die Vermittlung gesellschaftlich relevanter Inhalte achten. Im Fall von Adobe könnte daher ein MOOC zur Bildbearbeitung in Photoshop zur Etablierung und gesteigerten Sichtbarkeit des Produktes am Markt beitragen. Entwirft der Softwarehersteller jedoch, hier als fiktives Beispiel angeführt, einen MOOC zur Erkennung von Bildmanipulation, zur Geschichte der Bildbearbeitung oder zu Copyrightbestimmungen, könnte dies einen höheren gesellschaftlichen Mehrwert vermitteln, da Personen über Rechte und Risiken im Umgang mit digitalen Werkzeugen informiert werden. Ebenso kann angenommen werden, dass dadurch neue Zielgruppen erreicht werden können, welche sich – in diesem Fall – beispielsweise zu Copyrightbestimmungen informieren möchten.

Ein Blick auf edx.org und coursera.org zeigt, dass MOOCs von Unternehmen wie Microsoft und IBM bereits angeboten werden (vgl. edx o.J.: o.S.; Coursera o.J.: o.S.).

Auf bizmooc.eu wird zudem versucht, theoretische Grundlagen zu schaffen, welche Unternehmen die Umsetzung von MOOCs erleichtern sollen. Hierzu wurde beispielsweise das Businessmodell Canvas auf MOOCs ummodelliert, um Stakeholder, Kosten und MOOC-Produktionsphasen zu verdeutlichen (vgl. bizmooc o.J.: o.S.).

moocs canvas
Businessmodell Canvas auf MOOCs ummodelliert. Quelle: http://bizmooc.eu/papers/business-models/

Quellen:

Adobe (2017): Illustrator tutorials. Online unter: https://helpx.adobe.com/illustrator/tutorials.html (09.05.2017).

Bizmooc (o.J.): BizMOOC Result 2.1: Guidelines for business, HEIs, learners. Online unter: http://bizmooc.eu/guidelines/businesses/ (08.05.2017).

Bizmooc (o.J.): Existing MOOC business models. Online unter: http://bizmooc.eu/papers/business-models/ (08.05.2017).

Bizmooc (o.J.): HEIs without MOOCs. Online unter: http://bizmooc.eu/guidelines/heis-without-moocs/ (08.05.2017).

Coursera (o.J.): Online unter https://www.coursera.org/learn/developer-iot (09.05.2017).

iMooX (o.J.): Über uns. Online unter: https://imoox.at/wbtmaster/startseite/about.html (09.05.2017).

edx (o.J.): Microsoft. Online unter: https://www.edx.org/school/microsoft

Mooc.house (o.J.): Über mooc.house. Online unter: https://mooc.house/pages/about (08.05.2017).

Open HPI (2017): News. Online unter: https://open.hpi.de/news (09.05.217).

Open HPI (o.J.): About. Über openHPI – die MOOC-Plattform des HPI. Online unter: https://open.hpi.de/pages/about (09.05.217).

Parr, Chris (2015): Moocs could be ‘major recruitment tool’, says FutureLearn’s Simon Nelson. Online unter: https://www.timeshighereducation.com/news/moocs-could-be-major-recruitment-tool-says-futurelearns-simon-nelson/2018969.article#survey-answer (09.05.2017).

 

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