Bildung als PR-Maßnahme

Bildung und PR erscheinen zunächst als nicht zusammenhängende, fast schon konträre Begriffe. Die Bildung fndet sich auch nicht in der Liste der klassischen PR- und/oder Kommunikationsinstrumenten wie Pressekonferenzen, Newsletter oder Anzeigen. Trotzdem hat sich der Bereich Bildung zu einem nicht zu unterschätzender PR-Faktor für Unternehmen entwickelt. In diesem Beitrag werden zwei Beispiele angeführt, bei welchen Organisationen seit Jahren Bildung einerseits als Standpfeiler und andererseits als Ergänzung für Produkt- und Unternehmenserfolg einsetzen.

1. Softwareentwicklung und -Plattformen

Software, Softwareplattformen oder Programmiersprachen bedürfen einer gewissen Menge an NutzerInnen um für das herausgegebende Unternehmen lukrativ zu werden. Das Ziel ist das Erreichen einer so genannten kritischen Masse. Eine kritische Masse ist der Punkt, an dem ein Produkt/Anwendung/etc. von so vielen NutzerInnen verwendet wird, dass es sich von selbst weiterverbreitet (vgl. Halberstadt 2012: 27). Der sich daraus ergebende Effekt wird als positiver Netzwerkeffekt bezeichnet. Es ist jener Punkt, an dem der Wert des Mitglieds-Seins in einem Netzwerk/an einer Plattform, etc. zunimmt, wenn sich die Gesamtmitgliederzahl erhöht (vgl. ebd.: 104).

Dementsprechend versuchen Unternehmen NutzerInnen für ihr jeweiliges Produkt oder ihre Plattform zu gewinnen. Gerade im Softwarebereich wird dieser Nutzerzuwachs sehr stark durch den Faktor Bildung unterstützt. Das Ziel des Erreichens von mehr Kunden wird im hier allerdings durch zwei Schritte umgesetzt. Im ersten Schritt wird versucht, neben festangestellten MitarbeiterInnen andere Unternehmen oder oder EntwicklerInnen zu finden, die mit der jeweiligen Plattform arbeiten wollen.

Ein Beispiel: Windows-Anwendungen lassen sich über das .NET-Framework (Visual Studio, etc.) umsetzen. Microsoft ist daran gelegen, dass neben den eigenen MitarbeterInnen so viele andere Unternehmen und EntwicklerInnen wie möglich Apps für den Windows Store lancieren. Dafür bietet Microsoft die Microsoft Virtual Academy an.

Unbenannt
Microsoft Code Academy / https://mva.microsoft.com/

Durch das zur Verfügung stellen von kostenlosen Kursen im Bereich Softwareenwicklung wird so versucht EntwicklerInnen für die jeweiligen Produkte (z.B. Windows 10, Game Developement für Xbox, oder Cloud Developement für OneDrive) zu akquirieren. Dies beginnt bei dem Anbieten von Basis-Programmierkursen der eigenen Sprache C#. Andere Unternehmen wie Apple bieten ähnliche Entwicklungsumgebungen und Ausbildungsprogramme an. Schaffen es Softwarefirmen, freundliche Entwicklungsumgebungen für EntwicklerInnen zu schaffen, profitieren die jeweiligen Ökosysteme (z.B. Windows, MacOS, etc.) indirekt durch neue Apps und in weiterer Folge durch neue NutzerInnen.

2. Workshops und Online-Angebote von Kamera-Herstellern

Ein weitere Branche, in welcher der Bereich Bildung bereits seit Jahren eine Rolle spielt sind die Hersteller von (Foto-)Kameras. So bietet beispielsweise Canon in Österreich seit 2004 Foto-Präsenz-Kurse über die Canon Academy an. Doch wieso nimmt Canon Geld in die Hand, um KundInnen das Fotografieren zu lernen?

Ein Beispiel: Eine Canon-Kundin kauft sich eine Einsteiger-Kamera mit einem Kit-Objektiv. Absolviert sie einen Kurs und verbessert dadurch ihre Fähigkeiten als Fotografin wird sie mit ihrem Einsteiger-Equipment früher oder später an ihre Grenzen stoßen. Besondere Aufnahmesituationen erfordern neue Objektiv, Zubehör oder auch einen kompletten Kamera-Tausch in ein höheres Preissegment. Darüber hinaus darf auch der Spaß-Faktor nicht vergessen werden. Erreichen Kunden mit dem jeweiligen Produkt die gewünschten Ergebnisse, sind sie zufrieden und werden bei der jeweiligen Marke bleiben.

Neben den Präsenz-Kursen der Canon Academy stellt der Hersteller über die Plattform YouConnect auch Online-Bildungsressourcen zur Verfügung gestellt. Diese Reichen von Fotografie-Basiskursen über Landschaft- bis hin zu Modelfotografie.

canon-you-connect
Canon YouConnect / http://www.canon.at/youconnect/

So gelingt es Canon durch das Anbieten von Kursen indirekt einerseits den Verkauf ankurbeln und andererseits KundInnen zu binden. Konkurrenzhersteller wie Nikon oder Sony bieten mit der Nikon School oder dem Alpha Fototrainer ähnliche Kurse an.

 

Dies sind nur zwei Beispiele, in welcher das Mittel der Aus- und Weiterbildung indirekt dafür eingesetzt wird, neue KundInnen zu gewinnen, zu halten oder den Verkauf von Produkten anzukurbeln. Daraus lässt sich ableiten, dass Bildung, wenn auch nicht auf den ersten Blick, ein durchaus ernstzunehmendes PR-Instrument darstellt welchem auch und vor allem in der Zukunft Potential zugeschrieben werden muss.

 

Quellen

Halberstadt, Jantje (2012): Globale und nationale First-Mover-Vorteile internetbasierter Geschäftsmodelle. Wiesbaden: Springer Gabler.

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