MOOCs und bildungsferne Bevölkerungsschichten

In diesem Beitrag soll das Verhältnis von MOOCs und ‚bildungsfernen‘ Bevölkerungsschichten thematisiert werden. Unter bildungsferne Bevölkerungsschichten oder auch ‚Bildungsferne‘ fallen jene Menschen, die ein vergleichsweise geringes Maß an Bildung verfügen (vgl. bpb 2007: o.S). Grundsätzlich ist diese Terminologie umstritten. Es wird allerdings ausdrücklich erwähnt, dass sie in diesem Kontext in keiner Art und Weise diskriminierend gelten soll.

Grundsätzlich wurde den MOOCs bei deren Durchbruch Ende der 2000er Jahre hohes Potenzial zugeschrieben, gerade auch in Bezug auf die Weiter- und Fortbildung von bildungsernen Bevölkerungsschichten. Wird heute zu diesem Tehma recherchiert, stößt man sehr bald auf Ernüchterung. MOOCs sind nicht nur nicht bei bildungsfernen Schichten angekommen. Lt. Studien können sie die Ungleichheit sogar verstärken (vgl. Klovert 2015: o.S.; vgl. Wischmeyer 2016: o.S.). Eine Studie wurde zwischen 2012 und 2014 durchgeführt, 164.000 TeilnleherInnen der Plattform edx konnten dabei ausgewertet werden. Das Ergebnis war erstens, dass der Großteil der TeilnehmerInnen aus Regionen stammt, in denen die Bevölkerung ein überdurchschnittlich hohes Einkommen erzielt. Zweitens schließen die TeilnehmerInnen den Online-Kurs eher ab, wenn ihr Eltern auch eine akademische Ausbildung absolviert haben. So schlussfolgern die Autoren, dass das einstige Ziel von MOOCs, ein Bildungsangebot jenen Menschen näher zu bringen, die nicht in der Lage sind höher Bildung in Anspruch zu nehmen, nicht erreicht wird (vgl. Klovert 2015: o.S.). Die von vielen probagierte einzige Voraussetzung für eine MOOC-Teilnahme – ein Internetzugang – ist demnach falsch. Die Forscher mahnen, dass die ’sozial Benachteiligten‘ gezielt und direkt angesprochen werden müssen. Doch wie kann diese Ansprache aussehen?

Strategien zur Erreichung Bildungsferner

Grundsätzlich ist zu unterscheiden, ob die Strategien von Privatunternehmen oder -Universitäten angeboten werden, oder es sich um Organisationen der öffentlichen Hand handelt.

Privatunternehmen und öffentliche Hand:

  • Social Media Marketing. Der Großteil der Bevölkerung in Österreich ist heutzutage auf Social Media Networks aktiv. Im Jahr 2014 waren beispielsweise 70% der österreichischen Bevölkerung auf Facebook registriert (vgl. Riegler 2014: o.S.). Demnach kann davon ausgegangen werden, dass auch bildungsferne Menschen auf diesen Plattformen registriert sind und diese aktiv nutzen. Social Media Marketing, beispielsweise vom Marktführer Facebook, bietet einige Vorteile. Facebook kennt seine Kunden. Kriterien für das Platzieren von Werbeanzeigen können gezielt ausgewählt werden (z.B. Ausbildung, Alter, Wohnort, Interessen, etc.). So könnte ein hiesiger Kursanbieter eine speziellen Kurs – z.B. Informatik – gezielt bei jener Zielgruppe bewerben, die lt. den gespeicherten Daten und Präferenzen passt.
  • Online Marketing. Aufgrund der Tatsache, dass buchstäblich jede/r InternetnutzerIn Suchmaschinen verwendet, kann auch klassisches Online-Marketing (z.B. Goolde AdWords) eingesetzt werden um Online-Kurse zu bewerben. Hierbei handelt es sich allerdings eher um ein ‚Gießkannenprinzip‘, da die NutzerInnen nicht so exakt angesprochen werden können wie das im Social Media Bereich der Fall ist.
  • Offline-Marketing. Ausbau von bestehenden Offline-Werbekampagnen (z.B. VHS, WiFi, Bifie) mit dem Fokus auf MOOCs. Gedacht wird hierbei an Zeitungsinserat, Radio- oder TV-Spots.

Öffentliche Hand:

  • Bewerbung von MOOCs im Rahmen der Volkshochschule (VHS): Das bestehende Netzwerk der Volkshochschule – gerade im ländlichen Bereich – könnte dahingehend genutzt werden, dass Kurse der öffentlichen Hand – also miteingenommen von öffentlichen Universitäten – beworben werden. Es wird davon ausgegangen, dass viele Menschen gar nichts von der Existenz von MOOC-Angeboten wissen. Durch die Infrastruktur der Volkshochschule könnten den Menschen diverse MOOCs die zum jeweiligen Interessensgebiet passen in einer Art Beratungssituation Face-to-Face präsentiert werden. So kann einserseits auf das bloße Angeobte hingewiesen werden und andererseits die Eintrittsbarriere zur Anmeldung gemindert werden. Wie bereits erwähnt bietet die VHS im Gegensatz zu WiFi oder Bifie den Vorteil, dass diese auch in ländlichen Gebieten vertreten ist.

Heute besteht ein unglaublich vielfältiges Angebot an Onlinekursen. Diese sind kostenlos und für jeden nutzbar. Es ist wichtig, diese Möglichkeit der Fortbildung allen Bevölkerungsschichten näher zu bringen damit der einstige Zweck von MOOCs erfüllt wird. Die oben angeführten Strategien könnten helfen, das Ziel zu erreichen und durch mehr Bildung eine demokratiepolitisch gesündere und ökonomisch leistungsfähigere Gesellschaft hervorzubringen.

Literatur

bpb (Bundeszentrale für politische Bildung) (2007): Ökonomische Bildung für bildungsferne Milieus. Online unter: http://www.bpb.de/apuz/30315/oekonomische-bildung-fuer-bildungsferne-milieus?p=all (24.04.2017).

Klovert, Heike (2015): Moocs für Studenten. Onlinekurse machen bildung doch nicht gerechter. Online unter: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/moocs-online-kurse-schliessen-keine-sozialen-bildungsluecken-a-1067284.html (24.04.2017).

Riegler, Birgit (2014): Der Österreicher liebste Netzwerke: Facebook, WhatsApp, Google+. Online unter: http://derstandard.at/2000004509540/Der-Oesterreicher-liebste-Netzwerke-Facebook-WhatsApp-Google (24.04.2017).

Wischmeyer, Nils (2016): Wer Internet kann, ist privilegiert. Online unter: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/digitalisierung-der-gesellschaft-wer-internet-kann-ist-privilegiert-1.3305353 (24.04.2017).

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