Badges als Motivationsfaktor

So genannte Badges, zu Deutsch Plaketten oder Emblems, stammen ursprünglich aus der Videospielwelt. Den Grundstein hat Microsoft mit der Einführung des Online-Services Xbox Live gelegt (vgl. Antin / Churchill 2011: 2). Hierbei werden für das Erreichen eines bestimmen Levels oder für das triumphieren über einen Gegenspieler Auszeichnungen in Form von Badges verliehen.

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Abb. 1: Xbox Live ‚Erfolge‘ / eigener Screenshot / (c) Microsoft

Auch für Social Media Sites wurden Badges zum Schlüsselelement um eine so genannte ‚gamification‘ zu erreichen und den/die UserIn zu motivieren mehr Zeit in eine gewisse Aktivität gekoppelte an eine bestimmte Plattform zu investieren. Frühe Beispiele sind Foren zu unterschiedlichen Themenbereichen. Je mehr (hilfreiche) Beiträge oder Antworten verfasst wurden, desto mehr Errungenschaften – also verliehene Badges – werden ausgestellt.

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Abb. 2: Klassisches Hilfeforum mit diversen Badges (Insider, Guter Gesprächspartner, am meisten empfohlen, etc.). (c) Microsoft

Rational betrachtet sind Badges virtuelle Artefakte in Form von Grafiken, die eine Art Fortschritt oder Status symbolisieren. Doch wie können diese Artefakte eine derartig hohe Motivation hervorrufen? Judd Antin und Elisabeth Churchill von Yahoo! Research haben sich mit der psychologischen Perspektive von Badges in Bezug auf Social Media auseinandergesetzt. Ihre Ausführungen können allerdings nicht nur auf Social Media sondern auch auf den bereits erwähnten Gaming-Bereich oder die Bildung angewendet werden. Antin und Churchill postulieren, dass Badges sowohl individuelle als auch soziale Funktionen in bestimmten Kontexten bedienen. Insgesamt klassifizieren sie fünf Funktionen von Badges:

  1. Goal Setting: Das Setzen von Zielen ist ein motivierender Faktor um diese auch zu erreichen. Gerade kleine Ziele, die relativ einfach zu schaffen sind, motivieren die UserInnen. Antin und Churchill geben an, dass das Erreichen von Zielen als eine Art des Konsumierens gesehen werden kann, auch wenn es nur eine virtuelle ist.
  2. Instruction: Badges geben Aufschluss über die Art der Aktivitäten, die auf einer Plattform durchgeführt werden kann. Diese Funktion ist vor allem für neue UserInnen interessant.
  3. Reputation: Badges geben über zwei Eigenschaften von UserInnen Aufschluss: Erstens symbolisieren sie die verschiedenen Interessen der NutzerInnen. Zweitens weisen sie Skills oder den Grad der Professionalität aus.
  4. Status / Affirmation: Badges dienen auch als Statussymbol. Sie geben Aufschluss über den Fortschritt einer UserIn oder die bereits gegebenen Hilfeleistungen. Die Präsentation dieses Status motiviert andere BenutzerInnen auch einen ähnlichen Status zu erreichen.
  5. Group Identification: Das Erzielen von Badges in der Gruppe kann zu einer Art Solidarität führen. Es bindet Gruppen und teilt die Erfahrung. So wird eine Identifizierung zwischen dem Individuum und der Gruppe möglich gemacht. (Vgl. Antin / Churchill 2011: 2-4)

Diese Variation an Funktionen offenbart das Potenzial von Badges. Auch im Bereich E-Teaching werden Badges bereits seit geraumer Zeit eingesetzt. Sie gelten als extrinsischer (von außen kommender) Motivationsfaktor die in selbstgesteuerten Lernprozessen – also beispielsweise in MOOCs – eingesetzt werden. Sie werden darüber hinaus als Möglichkeit gesehen, Lernleistungen die außerhalb institutioneller Kontexte erbracht wurden, anzuerkennen. Bezugnehmend auf eine weiterführende Nutzung von Badges schlägt e-teaching.org ein Konzept vor, welches Badges mit einer ID vesehen soll, die einer Person zugeordnet werden kann. Dieses Badge soll sodann samt Informationen wie Kriterien, Zeitraum, etc. als Einbettungscode für Websites oder Social Media bzw. Karriereplattformen wie Xing oder LinkedIn verwendet werden können (vgl. e-teaching.org 2015: o.S.).

Grundsätzlich hat sich nach dem anfänglichen Hype um Online-Kurse und MOOCs Ernüchterung breitgemacht. Die Abbrecher (drop-out-Quoten) von Online-Bildungsangeboten sind hoch (vgl. Lehmann 2015: o.S.). Ein Badge-Konzept wie von e-teaching.org vorgeschlagen könnte die Motivation von UserInnen durchaus erhöhen. Dadurch könnten mehr Kurse abgeschlossen und der Ernüchterung gegenüber Online-Bildungsangebote etwas entgegensetzt werden.

 

Literatur/Quellen

Antin, Judd / Churchill F., Elisabeth (2011): Badges in Social Media: A Social Psychological Perspektive. Online unter: http://gamification-research.org/wp-content/uploads/2011/04/03-Antin-Churchill.pdf (03.04.2017).

e-teaching.org (2015): Badges. Online unter: https://www.e-teaching.org/lehrszenarien/pruefung/pruefungsform/badges_pattern/ (03.03.2017).

Lehmann, Anna (2015): Ernüchterung ist eingekehrt. Online unter: http://www.taz.de/!5213219/ (03.04.2017).

Abbildungen

Abbildung 1: Xbox Live ‚Erfolge‘. Eigener Screenshot. © Microsoft.

Microsoft Hilfeforum. Online unter: https://answers.microsoft.com/de-de/windows/forum/windows_10-hardware/nach-der-installierung-eines-treiber-updates/eb391ca9-0165-4e04-8248-52111172b7dd (03.04.2017).

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