MOOC 2 | FutureLearn | Kursstart

Kurse über Kurse. Erfahrungen über MOOC 2.

Advertisements

Diese Woche habe ich mit einem MOOC auf der Plattform FutureLearn gestartet. Dabei handelt es sich um den Kurs Social Media Analytics: Using Data to Understand Public Conversations. Angeboten wird der MOOC von Forschenden des Digital Media Research Centre der Queensland University of Technology in Brisbane, Australien. Geleitet wird der MOOC von Prof. Jean Burgess, Prof. Axel Bruns, Dr. Tim Highfield, Kim Osman, Emma Potter-Hay und Ariadna Matamoros Fernandez. Ziel des Kurses ist es mitunter, Drittanbietersoftware zu verwenden, um Daten aus Twitter zu gewinnen und mit diesen zu arbeiten. Teilnehmende erfahren, wie sie Zugang zu den benötigten Daten bekommen, wie sie diese analysieren können um Muster und Trends darin zu entdecken, und wie sie diese im letzten Schritt visualisieren können. Die User werden dazu ermutigt, eigene Fallbeispiele zu finden und diese anschließend zu untersuchen.

Theoretische Basis:

Unter den Rubriken ‚Our Principles‘ und ‚Why it Works‘ erläutern die Plattformbetreibenden das grundlegende Lernprinzip, an welchem sich FutureLearn Kurse orientieren. ‚Offenheit‘, ,Storytelling‘ und die ,Provokation von Konversationen‘ gehören ebenso zu den zugrundeliegenden Prinzipien wie das ‚Schaffen von Verbindungen‘ und das ‚Lernen von anderen‘. Die Betreiber verweisen auf zwei theoretische Ansätze, welche die FutureLearn Kursgestaltung prägen: Visible Learning von John Hattie und das ‚conversational framework‘ von Diana Laurillard –  an den sich das Community-gestützte Lernmodell der Plattform anlehnt. Laurillard unterteilt ihr Modell in vier Lernphasen: eine diskursive Phase, eine interaktive Phase, eine adaptive Phase und eine reflektive Phase. Diese ergänzt sie um verschiedene Medienformen und Medientechnologien. Demnach sind für unterschiedliche Lernerfahrungen, – wie das Experimentieren und Üben, das Debattieren oder die Reflexion –  verschiedene Medien geeignet.

johnmill diana Laurillard conversational framework
Learning Experience und Media Form nach Laurillard

Besprechung des MOOCs anhand von Gilly Salmons (2000) 5-Stufen-Modell der E-Moderation:

(1) Access and motivation (Zugang und Motivation): Die Registierung und Anmeldung auf FutureLearn erfolgt sehr einfach – dazu müssen lediglich Username und Passwort gewählt und eine E-Mail Adresse angegeben werden. Auch das Beitreten zu einem Kurs ist (für angemeldete User) mit nur einem Klick möglich. Aktuell laufende Kurse können dann unmittelbar gestartet werden. Näheres zur Zugänglichkeit spezifischer Kursinhalte ist auch dem nachfolgenden Punkt ‚Offenheit‘ zu entnehmen. Als Einstiegsfrage wurden Teilnehmende zu Kursbeginn gebeten, sich zu äußern, ob sie mit einem Input-Zitat zur Entwicklung von Twitter übereinstimmen. Zusätzlich wurde betont, dass Interaktion mit der Community durch Kommentare, Likes oder Following möglich und wünschenswert ist.

(2) Online socialization (Online-Sozialisation): Um die Bildung der Online-Community zu unterstützen wurden Lernende immer wieder dazu aufgefordert, mit anderen Kursteilnehmenden zu interagieren. Mehr dazu unter dem nachfolgenden Punkt ‚Vernetzung der Lernenden plattformintern‘.

(3) Information exchange (Informationsaustausch): Dass die Lerngemeinschaft in dieser Phase ein gemeinsames Verständnis des Themas erreicht hat, kann nur vermutet werden. Mit fortlaufender Beschäftigung mit den Kursinhalten wird dies sicherlich unterstützt. Da jedoch keine Kontrollinstanzen oder Ähnliches Teil des Ablaufes sind ist es schwer festzustellen, ob die Kursteilnehmenden tatsächlich über einen gemeinsamen Wissensstand verfügen. Auch handelt es sich bei den Kursteilnehmenden, wie ich vermute, um eine äußerst heterogene Gruppe, welche sich womöglich durch unterschiedliche Backgrounds, Wissensniveaus und Fachrichtungen kennzeichnet. Eine wirkliche Führung der Moderatoren in den Diskussionsbereichen konnte ich nicht feststellen.

(4) Knowledge construction (Wissenskonstruktion): Diese Phase setzt voraus, dass die Teilnehmenden Vertrauen zueinander gefasst haben, um sich intensiv und interaktiv auszutauschen. Einen derartigen Vertrauensaufbau konnte ich in keinster Weise feststellen. Andere Teilnehmende nehme ich kaum als Einzelindividuen wahr, mit welchen ich wiederholt oder verstärkt zusammenarbeiten würde. Die Tatsache, auf den einen oder anderen Beitrag ein Like oder eine Antwort erhalten zu haben, würde ich nicht als intensiven, gewinnbringenden Austausch interpretieren. Ebensowenig bemerke ich zum derzeitigen Zeitpunkt des Kursverlaufs den Versuch der Moderatoren, beispielsweise ähnliche Beiträge miteinander zu vernetzen.

(5) Development (Selbstorganisation und persönliche Weiterentwicklung): Diese Phase werde ich vorerst nicht beschreiben. Es ist  sinnvoller, dies erst nach der erfolgten Analyse meines gewählten Fallbeispiels zu tun. Erst dann kann ich beurteilen, wie selbstorganisiert und eigenständig ich dies bewältigen konnte.

Offenheit:

Informationszugänglichkeit, Anmeldung, Registierung: Die Kurse auf der Plattform sind auch ohne Anmeldung bis zu einem gewissen Teil einsehbar. Ohne Registrierung erhalten nicht eingeloggte User Informationen zu Kursdauer, wöchentlichem Arbeitsaufwand, den Kosten (ich habe bisher nur gratis Kurse auf FutureLearn gesehen) und der Möglichkeit, eine kostenpflichtige Zertifizierung zu erhalten. Auch eine generelle Beschreibung zu den Kursinhalten ist ohne Anmeldung zugänglich.

Die detaillierte Übersicht, welche Aufgabenstellungen in den jeweiligen Woche vorgesehen sind, erhalten nur eingeloggte User. In den meisten Kursen sind zwischen 10-20 kleinere Aufgaben pro Woche zu erfüllen. Bei diesen handelt es sich meist die Auseinandersetzung mit Inputs, welche häufig in Form von Artikeln oder Videos gegeben werden. Diese können über die Kommentar-Funktion reflektiert und mit anderen Teilnehmenden diskutiert werden. In manchen Kursen stellt das Arbeiten mit Drittanbietersoftware einen (nicht verpflichtenden) Teil des Kurses da.

week1_overview
Offenheit (Informationszugänglichkeit): Angemeldete Nutzende erhalten genauere Informationen zum Kursaufbau. Hier zu sehen die Aufgaben in Woche 1 inkl. bisherigem Fortschritt. Screenshot der Autorin.

Wer darf Kurse anbieten: Angeboten werden Kurse von ausgewählten Kooperationspartnern und Partnerorganisationen. Bei diesen handelt es sich vorrangig um Universitäten. Individuen, welche in einem gewissen Bereich über hohe Expertise verfügen, können beispielsweise auf Plattformen wie Udemy Kurse anbieten. Eine Kooperation mit Individuen steht bei FutureLearn nicht im Fokus, wie anhand der aktuellen Kooperationspartner ersichtlich ist. Bei den aktuellen Partnern handelt es sich um Universitäten und Organisationen.

Einschränkungen bei kostenloser Nutzung: FutureLearn Kurse sind generell kostenlos und somit auch ohne finanziellen Aufwand zugänglich. Wer allerdings ein Zertifikat am Ende des Kurses erhalten möchte, muss für dieses extra bezahlen. Ebenso stehen Nutzenden der Gratis-Version Kurse nur für einen beschränkten Zeitraum (die gesamte Kursdauer + 2 Wochen nach Kursende) zur Verfügung.

Offenheit in der Themenentwicklung: Grundstrukturen, Kursablauf, Input-Inhalte wie Videos oder Artikel werden von den Organisatoren vorgegeben – wie anhand des vorherigen Screenshots ersichtlich ist. Bereits zu Beginn des Kurses (in Modul 1.3) wird jedoch deutlich, dass Teilnehmende für sie selbst interessante Themen finden sollten, welche anschließend mit Hilfe digitaler Methoden analysiert werden können. Das Einbringen eigener Beispiele und Beiträge wird stark gefördert.

myComment_1a
Offenheit (Themenentwicklung): Aufforderung zur Findung eigener Themen in Woche 1. Screenshot der Autorin.

Vernetzung:

Vernetzung der Lernenden plattformintern: Die Konversation der Teilnehmenden untereinander ist ein zentraler Bestandteil des Lernkonzepts. Durch die Möglichkeit, unter jeder Aufgabe Kommentare zu posten, setzen sich Nutzende direkt mit den gelernten Inhalten auseinander und tauschen sich mit anderen Kursteilnehmenden aus. Sich an diesen Diskussionen zu beteiligen wird mehrfach von den Kursverantwortlichen kommuniziert und durch gezielte Fragestellungen zu den jeweiligen Aufgaben gefördert. Es handelt sich hierbei eher um eine Peer-to-Peer Konversation, da diese Diskussionen nicht wirklich betreut oder moderiert wird. Hin und wieder kommentieren jedoch die MOOC-Organisatoren – von FutureLearn als ‚Mentoren‘ bezeichnet – um offene Fragen zu beantworten.

Vernetzung zu anderen Plattformen: Die Vernetzung zu Twitter erfolgt über den Hashtag #FLsocmed. Eine Vernetzung zu Facebook erfolgte in Form eines Live-Chats in Kurswoche zwei. Ende März hatte das FutureLearn-Live-Video auf Facebook (gepostet am 20.03.2017) 340 Views. Ebenso wird Drittanbieter-Software (Google Maps) genutzt, um Themenfelder, welche anhand von Hashtags ausgewertet werden  – beispielsweise #brexit –  geografisch zu verorten. Ab Woche zwei steht zudem die Arbeit mit Twitter Daten im Vordergrund, weshalb es Teilnehmenden nahe gelegt wird, einen Twitter-Account und einen Google Account einzurichten. Auch die Nutzung von weiteren Drittanbieter-Softwares wie Gephi oder Tags ist Teil der Kurses. Hierbei steht jedoch nicht die Vernetzung und Kommunikation der Teilnehmenden im Vordergrund, sondern die Auswertung der gewonnenen Daten.

sh_twitter
Vernetzung (andere Plattoformen): Vernetzung via Hashtag #FLsocmed  auf Twitter. Screenshot der Autorin.
sh_2_3a
Vernetzung (andere Plattformen): Live Chat, abgehalten über die Facebook-Seite der Universität in Woche 2. Screenshot der Autorin.

Soziales Lernen:

Die Bildung von Gruppen oder das gemeinschaftliche Erarbeiten von Lösungen ist nicht verpflichtend zur Absolvierung des Kurses vorgesehen. Mehrfach wird jedoch darauf hingewiesen, dass Lernende davon profitieren, sich mit anderen Lernenden über die Kommentar-Funktion auszutauschen. Teilweise entstehen hierbei auch Diskussionen und Nutzende helfen sich gegenseitig. Die Möglichkeit, private Nachrichten zu schreiben, sich mit Usern zu befreunden, oder kursunabhängigen Diskussionsplattformen beizutreten, gibt es nicht. Kontakt zu anderen Usern kann plattformintern nur hergestellt werden, indem man ihnen folgt, deren Kommentare liked oder darauf antwortet. User verfügen zudem über eine, auch von anderen Teilnehmenden einsehbare, Profilseite. Auf dieser werden die Kurse, Kommentare, Follower und abonnierten Personen des Users dargestellt.

Zumindest in technischer Hinsicht scheint es nicht im Vordergrund zu stehen, eine dauerhafte Vernetzung der Lernenden auf der Plattform auch nach der Absolvierung des Kurses herzustellen. Denn dafür wäre ein Bereich notwendig, der es Usern ermöglicht, sich auch nach Kursende auszutauschen. Denkbar wäre hierfür ein Chat, Private Nachrichten, ein Forum oder die Ausarbeitung einer umfangreicheren Profilseite für User. Diese könnte beispielsweise Kontaktdaten enthalten, den Upload von mehreren Bildern, Videos erlauben oder von anderen kommentierbar sein.

forschungsfrageee
Soziales Lernen: Erste erhaltene Likes von Teilnehmenden und Mentoren auf meine Kommentare. Diese werden im Bereich ‚Notifications‘ gesammelt dargestellt. Screenshot der Autorin.