Lehr- und Lernparadigmen & MOOCs

Um sich einen Überblick über klassischen Lerntheorien in Kombination mit digitalen Medien zu verschaffen, wurde der Beitrag ‚Einsatz digitaler Medien in der Hochschullehre aus lerntheoretischer Sicht‚ von Patricia Arnold aus dem Jahr 2005 herangezogen. Dieser reflektiert drei grundlegende Lehr- und Lernparadigmen und bringt diese in Bezug zu digitalen Medien. Da der Beitrag bereits 2005 veröffentlicht wurde und MOOCs erst seit ca. 2013 angeboten werden, sucht man einen expliziten Bezug zu jenen vergebens. Trotzdem wird nach Vorstellung der Paradigmen versucht, einen Konnex zu den in der Lehrveranstaltung besprochenen MOOCs herzustellen.

Behaviourismus / 1. Generation (Beginn 60iger) / Instruktiosdesign

Die erste Generation digitaler Medien für Lernzwecke sind von der behavioristischen Denkschule geprägt. Beginn der Entwicklung Anfang der 60iger durch Skinner, der die Grundalge der ersten Lernprogramme (CBT – Computer Based Trainings) schaffte.

Grundprinzipien:

  • Kleinschrittiges Vorgehen, das Lerninhalte in viele einzelne Lernschritte zergliedert
  • Regelmäßige Rückmeldung (Feedback) zum Lernfortschritt
  • Eine enge Führung der Lernenden durch das Lernprogramm. Die Führung lässt wenig Freiräume zu.

Klassisch nach behavioritischen Ansätze sind „Drill & Practice“-Programme. Im Mittelpunkt steht das Üben und Trainieren eines vorgegebenen Lernstoffs. Feedback nach jeder Übung, stets unmittelbar.

(vgl. Arnold 2005: 7f.)

Kognitivismus / 2. Generation (90iger)

Medienbasiertes Lehren, das Drill & Practics Proramme nicht enthält. Wichtig: Inhalte werden hier systematisch dargestellt und Zusammenhänge vermittelt. Das Ziel ist das Umsetzen von einerseits Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsforschung und andererseits Erkenntnisse zur Informationsverarbeitung.

Gestaltungsprinzipien:

  • Lernsteuerung: Lernende haben die Wahlmöglichkeit der Bearbeitungsschritte und Reihenfolgen. So können die Inhalte nah an den eigenen Bedürfnisse und Interessen bearbeitet werden.
  • Realitätsnahe Darstellung: Durch die Nähe zur Realität werden Informationen leichter in die bestehenden Wissens- und Denkstrukturen eingeordnet.
  • Gestufte Hilfen: Hilfen gemäß dem Lernstand und dem Lernfortschritt

Die zunehmenden technischen Möglichkeiten (AI etc.) helfen bei der Umsetzung. Individuelle Lernpfade und Bearbeitungszeiten sind so möglich.

(vgl. Arnold 2005: 8f.)

Konstruktivismus / Ende 90iger, 2000er

Lernumgebungen, die von den Lernenden selbst gesteuert werden und die sich mit der Umwelt auseinandersetzen. Digitale Medien als kognitive Werkzeuge zur aktiven Wissenskonstruktion. Lehrende haben keine Kontrollfunktion, sondern eine beratenden und unterstützende.

Prinzipien

  • Authentische Lernumgebungen zur Bearbeitung von komplexen Problemen
  • Eigentätigkeit der Lernenden
  • Umfangreiche Freiraume und Steuerungsmöglichkeiten
  • Multiple Anwendungskontexte und Perspektiven
  • Sozialer Kontext (Austausch mit anderen, etc.)

(vgl. Arnold 2005: 9f.)

Theorieschulen und MOOCs

Nach den bisherigen Ausführungen kann reüssiert werden, dass Elemente aller Lehr- und Lernschulen in MOOCs wiedergefunden werden. Beispielsweise sind Elemente des Behaviourismus bzw. des Instruktionsdesigns vorhanden. In den MOOCs finden sich durchwegs kurze Übungen mit unmittelbaren Feedback. Die Vorgangsweise ist stehts step by step. Auch Merkmale des Kognitivismus finden sich wieder. So haben lernde in MOOCs trotz einer linearen Vorgabe oft die Möglichkeit, Schritte zu überspringen oder nach eigenem Interesse vorzugehen (wenngleich auch die lineare Vorgangsweise empfohlen wird). Auch realitätsnahe Übungen wie beispielsweise die Recherche zu bestimmten Themen im Internet, sind vorhanden, wodurch Zusammenhänge vermittelt werden.

Festgehalten werden kann, dass jene Elemente des Konstruktivismus definitiv am wenigsten vertreten sind. Authentische und multiple Anwendungskontexte sind im digitalen Raum nur schwer zu erreichen. Allerdings muss fairerweise auch erwähnt werden, dass einzelne Hauptelemente des Konstruktivismus wie beispielsweise der soziale Kontext in Form von Austausch über Foren, Chats oder Emails mit anderen Kursteilnehmern, durchaus Anwendung findet und einen Grundbaustein von erfolgreichen MOOCs darstellt. Eine grundsätzliche MOOC-Struktur im Sinne des Konstruktivismus (offene und authentische Umgebungen) ist allerdings so gut wie unmöglich. Die Abhaltung von Lehr- und Lernformen in diesem Format sind nicht oder nur mit beträchtlichem Aufwand für großen Gruppen umsetzbar. Diese würde zu Lasten des günstigen Kursangebots und der allgemeinen Verfügbarkeit gehen.

Literatur / Quellen

Arnold, Patricia (2005): Einsatz digitaler Medien in der Hochschullehre aus lerntheoretischer Sicht. Online unter: https://www.e-teaching.org/didaktik/theorie/lerntheorie/arnold.pdf (27.03.2017).

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